Die Charaktererschaffung

Aus welchen Informationen besteht ein Charakter?

Folgende Punkte sollten bei einem fertig erstellten Charakter definiert sein - müssen es aber nicht!

Der Name
Einen Namen oder eine Bezeichnung sollte jeder Charakter haben, selbst wenn er im Spiel nicht genannt wird. Dies kann nur ein Vorname sein, Vor- und Nachname, Clansname, Seelenname, Namen die durch eine gewissen Rang vergeben werden, Kampfnamen.. und so weiter.
Das Geschlecht
Männlich, weiblich, Neutrum, Zwitter, Zwischengeschlecht oder Geschlechtswandler?
Die Rasse
Welchem Volk, welcher Spezies gehört der Charakter an.
Das Aussehen
Wird durch die Rasse und das Geschlecht mitbestimmt und sollte sich an den jeweils üblichen Merkmalen orientieren. Elfen wiegen keine 100 Kilo, Riesen sind sicherlich nicht kleiner als 2 Meter, Drow haben keine helle Haut.
Die Charakterklasse
Charakterklassen kann man sich als stereotypes Grobkonzept vorstellen. Kämpfer, Abenteurer, Magiekundig, Kleriker, Schurke. Sie können als erste Richtungsangabe dienen.
Die Gesinnung
Gut oder böse? Licht oder Dunkelheit? Neutral? Schwankend? Auch die Gesinnung kann erst einmal als grobe Richtungsangabe für das spätere Verhalten des Charakters dienen, später im Spiel definiert aber eher das Verhalten des Chars die Gesinnung. Man kann sich so lange man mag 'Gut' auf den Charakterbogen schreiben, rottet man dann alle Andersdenkenden aus, sollte man sich Gedanken machen ob das 'Gut' tatsächlich gerechtfertigt ist.
Der Charakter

Das klingt nun sehr redundant ;-) aber natürlich hat auch ein Rollenspielcharakter Eigenarten die sein Verhalten bestimmen.. seine Persönlichkeit.

Der Beruf oder die Berufung
Die Fähigkeiten
Die Nachteile
Die Herkunft
Die zeitliche Herkunft
Die Vorgeschichte
Ziele oder Beweggründe

Das Charakterkonzept

Grober Entwurf oder Eisbergprinzip?

Gesinnungsfragen

Mann oder Maus? Eine Rasse oder Spezies wählen

Mischrassen

Die Balance halten - Stärken und Schwächen

Gib mir Namen

So richtig schwierig wird es, wenn es darum geht einen passenden Namen für den Charakter zu finden. Die Entscheidung wird oft huschhusch und aus dem Ärmel heraus getroffen, doch sollte man sich bewusst sein.. Charaktermerkmale können sich mit der Entwicklung ändern. Den Namen aber, schleppt man möglicherweise Jahre mit sich herum. Schnell wird zu bekannten Namen aus Büchern gegriffen - was die Verwechslungs- oder Verdoppelungsgefahr im RPG ins Unermessliche steigert - der Name von herumliegenden (Marken-)Gegenständen verfremdet (Zum Beispiel wurde ein Charakter namens Ben Koh nach der östereichischen Kakao-Marke Benko benannt) oder ganz Harte lassen sich den Namen auch schon mal von einem Passwortgenerator entwerfen. Die Ergebnisse können mehr oder weniger ge- oder misslungen sein und es ist natürlich schade wenn man die Lust an einem Charakter verliert nur weil man dessen Namen nicht mehr hören kann.

Wie auch beim Charakterkonzept selbst, sind ein paar Punkte zu bedenken:

  1. Der Name wird durch die Rasse bestimmt. Beschäftigt Euch mit den Namenskonventionen der jeweiligen Rasse, vor allem auch wie Nach-, Haus- oder Clannamen gebildet werden.
  2. Der Name wird ebenfalls durch die jeweilige Charaktergeschichte bestimmt. Natürlich könnte ein Ork Horst heissen, wenn er als Baby von Menschen gefunden und großgezogen wurde.

  3. Namen sollten auch der Zeit und der Region aus der euer Charakter stammt angemessen sein. Dies gilt vor allem bei menschlichen Charakteren, da solche Feinheiten bei Fremdrassen oft nicht ausgearbeitet sind. Niemand weiss ob man Orks aus dem Norden und Orks aus dem Süden auch am Vornamen unterscheiden kann, dafür tippt man bei John recht schnell auf eine Herkunft aus dem englischsprachigen Raum, bei Mustafa dagegen auf den Nahen Osten oder Kulturen die in ihrem Aufbau an den Orient angelehnt sind. Bei Jenny erwartet man einen Neuzeitcharakter, während man bei Adelgunde auf einen mittelalterlichen Hintergrund schließt.

  4. Der Name sollte dem Charakterhintergrund nicht widersprechen. Würde ein Charakter aus einem strikt christlichen Elternhaus den Namen einer nicht-christlichen Gottheit tragen?
  5. Schriftbild und Klang des Namens können - besonders bei fremdländischen Namen - stark voneinander abweichen. Am Besten ist es den gewählten Namen ein paar Mal auszusprechen um sich sicher zu sein das man ihn auch tatsächlich mag und für den Charakter angemessen findet. Zum Beispiel klingt Phoebe ungefähr wie Fibie, also quietschiger als das Schriftbild annehmen lässt.

  6. Witzige Namen sind gefährlich, da sie auch Deine Einstellung zum Charakter bestimmen werden und reine Scherzcharaktere haben meist nicht sonderlich viel Potenzial. Sie dienen eher als humoristischer Sidekick für besser und tiefer ausgearbeitete Charaktere.

  7. Ironische Namen sind etwas anderes als witzige Namen. Es hat seinen eigenen Reiz wenn der ewige Pechvogel Felix heisst oder die unausstehliche Frau die allen den Tag verdirbt Joy.

Kein Wunder also, das viele Rollenspieler den Part, einen Charakternamen auszudenken, also am Schwierigsten empfinden und am Längsten vor sich herschieben. Ganz extrem wird es, muß man auch noch die Namen für das Dutzend Geschwister finden, die man seinem Char dummerweise auf den Bogen geschrieben hat, oder - treibt man das Eisbergprinzip auf die Spitze - gleich den gesamten Stammbaum der letzten 10 Generationen...

Natürlich gibt es im Internet inzwischen große Namenslisten, auf denen manchmal sogar die Namensbedeutung erwähnt wird, bei denen man sich bedienen kann, aber selten hat man deren Links direkt verfügbar. Daher haben wir für Euch eine ausführliche Linkliste zusammengestellt die euch nicht nur zu Namenslisten, sondern auch zu Namensgeneratoren für diverse Rassen führt.

Seelen- oder Kampfnamen

Namenslisten & Namensgeneratoren

Namenslisten

Hilfen zu rassenspezifischen Namenskonventionen

Namensgeneratoren

Darf man das?

Geschlechterfragen

Im LARP definiert das Geschlecht des Spielers auch das Geschlecht des Charakters. Bei Rollenspielen im Internet sieht man das Gegenüber dagegen nicht. Ob da nun eine Frau einen männlichen Charakter spielt oder ein Mann einen Weiblichen, scheint erst einmal gleichgültig. Denn wissen wer der andere Spieler ist kann man ja doch nicht. Es sei denn man kennt sich schon oder fragt nach.

Dennoch kommt es vor, das Spieler sich quasi 'betrogen' fühlen, wenn sie im Nachhinein erfahren das Spielergeschlecht und Charaktergeschlecht nicht identisch sind. Ob dies nun gut oder schlecht ist sei dahingestellt und auch über die Gründe kann man erschöpfend diskutieren.

Zusammenfassend könnte man auch bei diesem Punkt sagen: Es gibt nichts das es im Rollenspiel nicht geben darf, aber es gibt jeweils die richtigen oder die falschen Mitspielern.

Viele Spieler geniessen es im Spiel etwas sein zu können das sie im realen Leben nicht sind. Ob das Kunstpilot ist, während sie im wahren Leben furchtbare Flugangst haben, oder eine Frau einen Mann spielen möchte. Rollenspiel ist nicht nur ein Spiel mit den Mitspielern, sondern auch ein (intellektuelles) Spiel mit sich selbst, bei dem man versucht sich in Lebensbereiche einzudenken und zu fühlen, die einem in der Realität verschlossen sind.

Niemand würde von einer weiblichen Autorin verlangen, Bücher rein mit weiblichen Charakteren zu schreiben oder umgekehrt einem männlichen Autor verbieten auch Frauen auftauchen zu lassen. Wie gut dem jeweiligen Spieler das Einfühlen gelingt, liegt ganz im Blick des Betrachters.

Das tu besser nicht

Spiele keine Wesen die es per Definition in einer Realität nur ein einziges Mal geben kann

Schlechte Ideen sind Charaktere wie DER Tod, Gott, Herr über alle Orks/Feen/Menschen. Ganz abgesehen davon dass es sich dabei oft um vollkommen unbalancierte Charaktere handelt, so einmalig einem dieses Konzept vorkommen kann, garantiert kommt noch ein andere Spieler auf die gleiche Idee und schon sitzt Tod neben Tod an der Theke beim Bierchen und die erhofft einmalige Idee gerät zu einer Farce.

Spiele keine bekannte Charaktere aus der Medienlandschaft oder Personen der Weltgeschichte - ausserhalb eines geschlossenen Plays
Das gleiche Problem wie bei 'einzigartigen' Charakteren. Wenn Blaubart neben Blaubart sitzt, ist es für die betreffenden Spieler weniger lustig und jeder fühlt sich um seine Idee betrogen. In geschlossenen Plays, bei denen vom Spielleiter jede Rolle fest vergeben wird und daher nur einmal vorkommen kann, kann man seinem Faible für einen bestimmten Charakter allerdings uneingeschränkt nachkommen.
Spiele keine 'Ausnahmen'
Hast du dich für ein Charakterkonzept - besonders für eine Rasse - entschieden, halte dich an die Vorgaben dieser Rasse oder Klasse. Beinahe jeder zweite Spieler möchte einen Charakter spielen, der aus der jeweiligen Rasse durch Andersartigkeit, eine Besonderheit hervorsticht, was dazu führt das man meist nur auf Dämonen trifft die eigentlich das Gute wollen, Paladine, die es mit der Religion nicht so genau nehmen, Engel die sich noch nie mit Gott beschäftigt haben oder weibliche Drow mit devoten Neigungen. Je weiter man sich als Spieler von einem Rassenkozept entfernt, droht man einen reinen Menschen mit menschenfremden Aussehen zu spielen, statt die angestrebte Rasse.


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Rollenspiel_101/Charaktererschaffung (last edited 2008-09-28 11:51:34 by MelaEckenfels)